Wer für ein bevorstehendes Live-Interview zwischen InterviewMan und Interview Solver abwägt, vergleicht zwei ziemlich unterschiedliche Werkzeuge. InterviewMan begleitet Verhaltensfragen, technische Gespräche, Coding-Aufgaben und Systemdesign-Runden nach einer einzigen Installation. Interview Solver ist ausschließlich für Coding-Runden auf HackerRank und CoderPad gedacht. Meist entscheidet deshalb schon der eigene Interviewkalender, welches der beiden Angebote überhaupt infrage kommt.
Überblick
InterviewMan versteht sich als Interviewbegleiter für den gesamten Ablauf und läuft unter macOS sowie Windows. Während des Gesprächs verarbeitet das Programm den Live-Ton und blendet Hinweise ein. Das funktioniert bei Verhaltensfragen und Recruiter-Screens ebenso wie bei technischen Detailfragen, Live-Coding und Gesprächen über Systemdesign. Nach Angaben des Anbieters haben rund 57.000 Kandidaten das Produkt genutzt; aus 257 Bewertungen ergibt sich eine Wertung von 4,8 Sternen. Öffentlich bestätigte Fälle, in denen InterviewMan bei normaler Bildschirmfreigabe oder Aufzeichnung entdeckt wurde, sind nicht bekannt. Die Tarnfunktionen gehören auf jedem unterstützten Gerät zu jedem Tarif.
Interview Solver setzt viel enger an. Angeboten wird das Produkt vor allem als Desktop-Begleiter für Coding-Runden auf HackerRank oder CoderPad, und genau dieser einzelne Einsatzzweck prägt sowohl den Funktionsumfang als auch die Preise. Bei Verhaltensfragen, Recruiter-Screens oder Systemdesign-Gesprächen hilft es nicht weiter. Für die Tarnung gibt es ein per Tastenkürzel ein- und ausblendbares Begleitfenster. Weitere Maßnahmen, die dieses Fenster verbergen, bietet das Produkt nicht. Der Nutzer muss selbst entscheiden, wann er die Ansicht zeigt oder versteckt.
Auch beim Publikum liegen die Angebote weit auseinander. Wer mehrere Interviewstufen mit Gesprächs- und Technikrunden durchläuft, wird eher bei InterviewMan landen. Steht dagegen nur eine einzelne Coding-Session auf einer der beiden unterstützten Prüfungsplattformen an, kann Interview Solver passen. So gesehen treten hier weniger zwei direkte Konkurrenten gegeneinander an als ein breit aufgestellter Begleiter und ein Spezialist für einen eng begrenzten Zweck.
Preise
Bei InterviewMan und Interview Solver fällt die Entscheidung oft über den Preis. Genau dort gabeln sich die Wege deutlich. Nach den veröffentlichten Angaben kostet Interview Solver im vierteljährlich abgerechneten Tarif 30 Dollar pro Monat. Für die einmalige Nutzung gibt es außerdem einen Tagespass für 15 Dollar. InterviewMan kostet bei monatlicher Abrechnung ebenfalls 30 Dollar pro Monat. Bei jährlicher Abrechnung sind es 12 Dollar pro Monat, also 144 Dollar für das ganze Jahr.
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Try InterviewMan FreeDer Tagespass ist das einzige Einmalangebot in dieser Kategorie. Einen länger laufenden Tarif hat Interview Solver wiederum nicht. Wenn der Interviewtermin feststeht, lassen sich 15 Dollar für eine einzelne Coding-Session zahlen, danach ist Schluss. Verschiebt sich der Termin, besteht allerdings das Risiko, dass der Pass abläuft, bevor die Runde tatsächlich stattfindet. Dauert die Suche länger und läuft über den vierteljährlichen Tarif, summieren sich die Kosten auf umgerechnet 360 Dollar im Jahr.
Zwischen den Jahreskosten der beiden Produkte liegen damit 216 Dollar. Zieht sich eine Interviewphase über mehrere Monate, wird der Abstand zwischen 144 Dollar und 360 Dollar zum wichtigsten Preissignal in diesem Vergleich. Er erklärt auch, warum die beiden Produkte trotz eines beinahe identischen monatlichen Ausgangspreises gegeneinander abgewogen werden. Ein direkter Vergleich des Gegenwerts bleibt schwierig, denn dafür bräuchte man sehr konkrete Szenarien und Angaben zur Branche des Kandidaten, zur Karrierestufe und zur Dauer der Stellensuche.
Funktionen
Interview Solver deckt einen schmalen Bereich ab: Coding-Runden auf HackerRank oder CoderPad. Dort endet der Funktionsumfang. Kommt die Frage, wie man einem Vorgesetzten widersprochen hat, bleibt der Bildschirm leer. Bei einer Diskussion über Systemdesign passiert dasselbe. Auf der Produktseite findet sich auch kein Hinweis auf Unterstützung für Meeting-Plattformen wie Zoom, Microsoft Teams oder Google Meet. Andere Coding-Plattformen als HackerRank und CoderPad fehlen ebenfalls in der Integrationsliste.
Besteht die Runde nur aus einem Coding-Test auf einer dieser zwei Plattformen, passt das Angebot. Sobald Verhaltensfragen, Systemdesign oder eine Videoplattform außerhalb dieses Paars dazukommen, bleiben diese Teile ohne Unterstützung.
InterviewMan ist für einen größeren Teil des gesamten Ablaufs ausgelegt. Das Programm läuft unter macOS und Windows und nimmt den Live-Ton als Eingabe entgegen. Es hört also während des Gesprächs die Fragen des Interviewers mit und zeigt nahezu in Echtzeit Vorschläge an. Der Kandidat muss die Frage nicht erst eintippen. Verhaltensrunden, Recruiter-Screens und frei geführte Gespräche über Systemdesign lassen sich deshalb auf dieselbe Weise begleiten.
Bei den Meeting-Plattformen werden Zoom, Microsoft Teams, Google Meet, Amazon Chime, Cisco Webex und Lark unterstützt. Zu HackerRank und CoderPad kommt bei den Coding-Umgebungen noch Codility hinzu. Auch Recruiter-Telefonate und reine Sprachanrufe liegen innerhalb des abgedeckten Bereichs, weil die Toneingabe mit den unterstützten Clients funktioniert.
Beim Umgang mit der Tarnung wird der Unterschied noch größer. Interview Solver zeigt Antworten in einem Begleitfenster, das der Nutzer über Tastenkürzel umschaltet. In der Aufzeichnung einer Zoom-Bildschirmfreigabe erscheint dieses Fenster im aufgenommenen Video und bleibt auch beim späteren Abspielen sichtbar. HackerRank weist inzwischen auf unerwartete Fenster während einer Sitzung hin. Zugleich zeichnen immer mehr Unternehmen Interviews auf, um sie später zu prüfen. Wenn die gesamte Tarnung davon abhängt, dass der Nutzer das Fenster vor einer Freigabe von Hand versteckt, ist das bei laufender Bildschirmaufzeichnung ein erhebliches Entdeckungsrisiko.
InterviewMan wirbt mit mehr als 20 Methoden zur Tarnung. Dazu zählen das Blockieren von WebRTC-Leaks, die Verschleierung des Prozessnamens, eine verborgene Bildschirmaufnahme und das Ausblenden im Dock. In unserem Test wurde eine aufgezeichnete Zoom-Sitzung Bild für Bild geprüft, außerdem kontrollierten wir die Liste der laufenden Prozesse. Weder dort noch im Video war eine Spur des eingeblendeten Fensters zu sehen. Mit rund 57.000 Nutzern gibt es zudem eine größere Datenbasis dafür, wie sich das Werkzeug unter realer Interviewbelastung verhält. Nutzer berichten, dass bei den üblichen Abläufen mit Bildschirmfreigabe oder Aufzeichnung kein Kandidat entdeckt wurde.
Fazit
Für die meisten Kandidaten mit vollständigen Interviewabläufen deckt InterviewMan Verhaltensfragen, technische Gespräche und Coding-Runden für jährlich abgerechnete 12 $/Monat ab. Weitere Einzelheiten stehen im Vergleich zwischen InterviewMan und LockedIn AI.
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