Okay, 35 %. Diese Zahl hat mir die ganze Woche verdorben. Laut einer Fabric-Studie mit mehr als 50.000 Teilnehmern betrogen im Dezember 2025 bereits 35 % der Bewerber mithilfe von KI. Sechs Monate zuvor waren es noch 15 %. Auf die Zahl bin ich an einem Mittwoch gegen 1 Uhr nachts gestoßen, weil ich unbedingt beweisen wollte, dass ein ehemaliger Kollege falschlag.
Er leitet die Personalbeschaffung bei einem SaaS-Unternehmen mit vielleicht 400 Mitarbeitern und hatte mir geschrieben: „Ich glaube, ein Drittel meiner Bewerber lässt sich im laufenden Gespräch von KI helfen, und ich kann wirklich nicht erkennen, wer das tut.“ Ich hielt dagegen. Niemals. Ein Drittel klang völlig verrückt. Im Grunde hatte er recht.
Damit begann für mich ein Kaninchenbau, aus dem ich erst einen Monat später wieder herauskam. Ich suchte jede belastbare Zahl, die ich zum Einsatz von KI beim Schummeln in Interviews finden konnte. Mit echten Quellen, wohlgemerkt. Ständig landete ich bei Artikeln, in denen bloß „Studien zeigen“ stand, nur führte dann kein einziger Link zu dieser angeblichen Studie. Einen Ort, an dem alle Zahlen zusammengetragen waren, fand ich nicht. Also versuche ich es hier selbst.
Noch einmal zurück zu Fabric. In einer tiefer gehenden Untersuchung von fast zwanzigtausend Interviews wurden knapp 40 % der Bewerber markiert. Bei technischen Stellen lag der Anteil näher an der Hälfte, im Vertrieb ungefähr bei einem Zehntel. Das ist grob ein Unterschied um den Faktor 4. Berufseinsteiger mit null bis fünf Jahren Erfahrung schummelten beinahe doppelt so häufig wie erfahrene Leute.
In einem Thread auf r/recruitinghell schrieb vergangenen Monat ein Personalverantwortlicher, viele frisch von der Uni kommende Bewerber sähen darin nicht einmal Betrug. Das klingt für mich ehrlich gesagt plausibel. Jemand verglich es dort mit einem Taschenrechner bei einer Matheprüfung. Personalverantwortliche dürften bei diesem Vergleich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.
Ready to ace your next interview?
InterviewMan gives you real-time AI answers during live interviews — undetectable on Zoom, Meet, and Teams.
Try InterviewMan FreeAm meisten erschreckte meinen früheren Kollegen die Zahl 61 %. Von den Schummlern erzielten 61 % mehr als die zum Bestehen nötigen 7.0 Punkte. Ohne Entdeckung wären sie also in die nächste Runde gekommen. Mehr als die Hälfte der Menschen, die sich von KI helfen lassen, kommt damit durch. Manche Firmen merken erst im ersten Monat, dass die Person völlig einbricht. Andere merken es womöglich nie. Könnten einige dieser 61 % tatsächlich gut gewesen sein und sich nur einen kleinen Vorteil verschafft haben? Vielleicht. Die Leistungsdaten sprechen allerdings dagegen.
Er erzählte mir von einer Einstellung in seinem Team im vergangenen Jahr. Bereits im ersten Sprint ging gar nichts mehr. Es dauerte drei Monate, bis die Person aus dem Unternehmen herausgeführt war. Das ist auch keine nette Einzelgeschichte ohne größere Folgen. Bei einer Fehlbesetzung für eine technische Stelle mit einem Jahresgehalt von hundertfünfzigtausend Dollar liegen die direkten Kosten bei 30 bis 150 % des Einkommens im ersten Jahr.
Mindestens fünfzigtausend Dollar, dazu im Schnitt 42 Tage bis zur Besetzung, bevor die Suche wieder von vorn beginnt. Fünfzigtausend Dollar und 42 Tage, nur weil während einer Systemdesign-Runde ChatGPT ins Ohr geflüstert hat.
Ich wollte natürlich wissen, wie die Leute dabei genau vorgehen. Auch dazu hatte Fabric Zahlen. Spezielle Programme wie Cluely und Interview Coder machten fast die Hälfte aus. Ein weiteres Drittel sprach auf einem zweiten Gerät im Sprachmodus mit ChatGPT. Der Wechsel zwischen Tabs und zusätzliche Bildschirme lagen knapp unter einem Fünftel. Echte Menschen halfen live nur in 3 % der Fälle, also praktisch eine Rundungsdifferenz.
Jemand aus einem Cybersecurity-Slack, in dem ich still mitlese, meinte, der Wechsel von improvisierten Methoden zu fertigen Programmen erinnere ihn an Phishing: erst dilettantische E-Mails, später organisierte Baukästen, die jeder kaufen kann. Die Einstiegshürde sinkt immer weiter.
Bei Bewerbern mit mehreren Gesprächen wird es noch eigenartiger. Fast die Hälfte schummelte kein einziges Mal, während 30 % bei ausnahmslos jedem Interview Hilfe nutzten. Das knappe restliche Viertel hielt es mal so und mal anders, als würde die Entscheidung vom jeweiligen Tag abhängen. An diesen 30 % blieb ich hängen, denn hier testet niemand bloß einmal etwas aus. Das ist für diese Gruppe längst Routine und damit genau das, was mein früherer Kollege gemeint hatte, als er mir nachts von seinem Drittel schrieb.
Auch die Zahlen von Karat passen leider in dieses Bild. Dort wurden innerhalb von zwei Jahren fünfmal so viele Betrugsfälle entdeckt. Fast sechs von zehn Personalverantwortlichen vermuten inzwischen, dass Bewerber ihre Fähigkeiten bei Live-Assessments mit KI besser aussehen lassen, als sie sind. Noch unangenehmer fand ich allerdings eine andere Antwort: 62 % meinten, Jobsuchende könnten inzwischen besser vortäuschen als Recruiter aufdecken. Ich schickte meinem früheren Kollegen diese 62 % und bekam zunächst keine Reaktion. Nach einer kurzen Pause kam nur: „Ja, das klingt ungefähr richtig.“
Und es bleibt nicht bei einem einzelnen Versuch. Von den Menschen, die vor Kurzem auf Jobsuche waren, gaben 71 % zu, im Auswahlprozess geschummelt zu haben. Gemeint war damit alles, vom schnellen Googeln einer Antwort bis zu kompletten KI-Generatoren. Bei einem Leiter aus der Tech-Branche war es noch deutlicher. Obwohl ein LLM ausdrücklich verboten war, nutzten es 80 % der Bewerber in seinem Code-Test am Anfang des Auswahlprozesses.
Sogar der Wochentag macht einen Unterschied, was ich zuerst eher lustig fand. Am Sonntag lag die Quote mit 47.1 % am höchsten, an den übrigen Wochentagen bewegte sie sich zwischen 35 und 40 %. Wenn man darüber nachdenkt, ist das gar nicht so überraschend: Wochenende, die Leute sitzen zu Hause und niemand schaut ihnen zu. Jemand im Cybersecurity-Slack nannte den Sonntag „in mehr als einer Hinsicht Schummeltag“, worüber ich leider lachen musste. Die 35 % vom Anfang wirkten auf mich schon gewaltig. Sonntags sind es 47 %, also beinahe die Hälfte.
Dann las ich die Prognose von Gartner. Bis 2028 sollen vollständig erfundene Bewerberprofile 25 % des gesamten Bewerberpools stellen, also jeden vierten Bewerber. Mein früherer Kollege stellte daraufhin nur noch die Frage, ob er sich künftig auch Gedanken machen müsse, ob die Person überhaupt existiert. Und was soll man darauf antworten? Offenbar muss er das.
Auch Deepfakes legen schnell zu. In einer Umfrage Mitte 2025 gaben 17 % der Personalverantwortlichen an, bei einem Videointerview bereits auf Deepfake-Technik gestoßen zu sein. Allein im Q1 2025 gab es 179 Deepfake-Vorfälle und damit mehr als im gesamten Jahr 2024. Betrugsfälle mit KI-Deepfakes stiegen 2025 um 700 %. In den USA verdreifachten sich die Verluste durch Deepfake-Betrug von 360 Millionen auf 1.1 Milliarden Dollar.
Eine Recruiterin, mit der ich früher zusammengearbeitet habe, erzählte mir von einem Bewerber aus dem vergangenen Monat. Die Beleuchtung in seinem Gesicht sah im Vergleich zum Raum hinter ihm ein wenig falsch aus. Beweisen konnte sie nichts. Seltsam fand sie es trotzdem.
Mittlerweile gibt es mehr als zwanzig KI-Programme für Bewerbungsgespräche, von Browser-Erweiterungen bis zu Desktop-Apps. Die Preise reichen von zwölf Dollar pro Monat für InterviewMan im Jahresabo bis zu zweihundertneunundneunzig Dollar für Interview Coder, das nur bei Coding-Runden hilft. Beim Cluely-Datenleck Mitte 2025 wurden Daten von 83.000 Nutzern offengelegt, einschließlich der Angabe, in welchen Interviews jeder Einzelne das Programm eingesetzt hatte. Hacker hatten in einem öffentlichen GitHub-Repository ein Admin-Passwort gefunden. Das hat viele Leute aufgeschreckt.
Zur Offenlegung: Ich arbeite an InterviewMan. Uns interessiert vor allem, ob ein Programm die Daten der Nutzer schützt oder sie im entscheidenden Moment hängen lässt. InterviewMan läuft als Desktop-App und nicht als Browser-Erweiterung. Darum taucht es nicht in Proctoring-Protokollen auf. 57.000 Menschen verwenden es, die Bewertung liegt bei 4.8 Sternen aus 257 Rezensionen. Es gibt mehr als zwanzig Stealth-Funktionen, der Preis im Jahresabo beträgt zwölf Dollar pro Monat. Bei all diesen Nutzern existiert kein einziger bestätigter Bericht über eine Entdeckung auf irgendeiner überwachten Plattform.
Ready to Ace Your Next Interview?
Join 57,000+ professionals using InterviewMan to get real-time AI assistance during their interviews.

