Seit ich auf LinkedIn Senior PM stehen habe, melden sich ständig Leute bei mir, die wissen wollen, wie man sich auf so einen Loop vorbereitet. Ich hab das Ganze gerade hinter mir, also erzähle ich einfach mal, wie es bei mir gelaufen ist und welche Fragen ich tatsächlich bekommen habe. Den Namen der Firma, die mich am Ende genommen hat, lass ich weg.
Angefangen hat es damit, dass eine Recruiterin mich wegen einer PM-Stelle anschrieb und wir zwanzig Minuten darüber redeten, was ich zuletzt so gemacht hatte. Sie gab mir einen Überblick über das Team und erklärte mir den Loop. Sie stellte mich auf sechs bis acht Wochen ein. Danach kam ein Telefoninterview mit dem Hiring Manager, im Anschluss wurde ich zur Take-Home-Aufgabe eingeladen und dann zur Schlussrunde.
Meine Schlussrunde war auf zwei verschiedene Tage aufgeteilt. Zwischen den einzelnen Runden lagen im Schnitt vier bis fünf Tage, was den gesamten Loop auf fast drei Monate streckte. Als alle Runden durch waren und jeder Interviewer sein Feedback ins Tool eingetragen hatte, ging ich durch ein Team Match. An dieser Stelle sprach der Manager mit mir und versuchte, meine Erwartungen mit dem abzugleichen, was sie zu bieten hatten.
Wohlgemerkt, manchmal macht man das Team Match erst, nachdem das Komitee das Paket geprüft und eine Einstellungsentscheidung getroffen hat, manchmal kommt das Team Match zuerst. Ich weiß bis heute nicht, welche Firma wann was macht. Nach dem Team Match verlangte das Komitee noch ein zusätzliches Deep-Dive-Interview zu einem bestimmten Punkt aus meinem Lebenslauf. Referenzen wurden auch eingeholt. Aber Moment, ein Angebot hatte ich da immer noch nicht.
Nach dem Komitee brauchte es noch ein Sign-off von einem Executive Review. Und ganz zum Schluss ging das Paket an die Vergütungsabteilung und das Angebot wurde rausgeschickt. Eine Sache aus dieser ganzen Strecke ist erwähnenswert: Die Runden waren alle unabhängige Bewertungen, niemand sieht die Notizen eines anderen Interviewers, bevor er seine eigenen schreibt, und der Hiring Manager hat nicht das letzte Wort.
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Die Recruiterin verriet mir, mit welchen Arten von Fragen ich rechnen sollte. Das reichte von den typischen Product-Design- und Strategie-Fragen über analytische, Schätz- und Verhaltensfragen bis hin zu einem softeren technischen Teil (eher konzeptionelles System Design für PMs, die nicht aus dem Engineering kommen). Ich durchforstete das Internet und stellte mir zu jeder dieser Kategorien eine Liste mit ganz unterschiedlichen Fragen zusammen.
Glassdoor half mir dabei ziemlich. Aus dieser Liste fing ich an, von jedem Typ eine Auswahl zu üben. Im Schnitt habe ich über sechs Wochen wohl knapp anderthalb Stunden am Tag investiert. Im Nachhinein kann ich sagen, dass die Runden gar nicht so schwer waren, wie ich vorher gelesen hatte (aber gut, das ist eben Nachhinein). Für die Basics nahm ich 'Cracking the PM Interview', die letzten zwei Wochen übte ich dann live mit InterviewMan. Auf Fintech-Spezifika hat mich keine der Runden getestet, ich komme aus dem E-Commerce und sie testeten, wie ich denke.
Worauf ich richtig eingehen will, ist Product Design, denn da habe ich geblutet. Mein Prompt an dem Tag, an dem ich zum vierten Mal in Folge verlor, war: Entwerfe ein besseres Flughafen-Erlebnis für eine ältere Reisende, die alleine umsteigt. Ich saß dabei in einem geliehenen Schlafzimmer bei meiner Schwester, ein Ringlicht hatte ich mir an den Laptop geklemmt, daneben lief ein Timer auf dreißig Minuten.
Die ersten neun Minuten gingen für Klärungsfragen drauf. Ich hatte ja meine Liste, also arbeitete ich brav die Liste ab und kam mir vor wie ein Profi. So ungefähr ab Minute acht machte die Interviewerin dann dieses höfliche Gesicht, das man so einem Kind zuwirft, das schon viel zu lange an einer Geschichte erzählt. Sie meinte okay, hören wir mal eine Idee.
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